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A Temporary Shelter

Der weisse Wohncontainer auf dem Ludgeri- Platz als Objekt, ist eine plakativ temporäre Mahnung denn gleichzeitig konkrete Lebensrealität von Menschen. Er wird für eine Woche Aktionsraum eines intermedialen Kulturprogramms zu den Themen "Geduldet - Abgeschoben" und "Roma in Deutschland, Serbien und im Kosovo"

Wohncontainer haben kein Fundament und können jederzeit entfernt werden. Sie verdeutlichen auch auf Dauer den Status nur vorübergehender Duldung. Hier lohnt kein Anstrich und kein Garten. Nichts was den Ort zum Heimatlichen werden lassen könnte. Und Heimat soll ja auch gar nicht entstehen, damit Vertreibung einfach bleibt. Im Grunde nicht gewollt zu sein ist wohl das schmerzhafteste menschliche Empfinden. Für ein ganzes Volk ist es eine Tragödie.

In dieser Art von Unterkunft wird nun innerhalb einer Woche vom 22.bis 30. Juni 2011 auf die Situation der betroffenen Menschen hingewiesen und kritisch die hier zu Lande gängige Container Kultur hinterfragt. Es wird informiert, diskutiert und plakatiert. Ein breites, kulturelles Rahmenprogramm bietet Gelegenheit sich dem Thema auf unterschiedlichste Weise zu nähern.

Ein Leben im Container suggeriert Flüchtigkeit, Vorübergehendes und Warten auf das "richtige" Leben. Sich an eine Metallbox in Standarddesign als Lebensdomizil zu gewöhnen, ist vergleichbar schwierig, wie sich mit jahrelanger Duldung in eine Gesellschaft zu integrieren.

Der Container steht für die schwierige Lebensrealität vieler Flüchtlinge.

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Hintergrund

Seit im Sommer 2009 auch 302 in Münster lebende Roma zur Ausreise in den Kosovo aufgefordert wurden, leben diese Menschen, davon ein Großteil Kinder und Jugendliche, die hier aufgewachsen oder geboren wurden, in Angst. Trotz des einstimmigen Stadtratsbeschlusses, der sich für eine Resolution an die Landesregierung: für ein Bleiberecht der Münsteraner Roma entschied, droht diesen Menschen eine humanitäre Katastrophe - ihre Abschiebung.

Viele der Betroffenen leben seit langen Jahren einzig mit dem unsicheren Status der Duldung in Münster. Auch auf diese schwierigen Lebensbedingungen verweist der Container.

In Serbien wurde 2009 die seit vielen Jahren existierende Romasiedlung "Gazela" durch die Stadtverwaltung zerstört- teilweise wurden BewohnerInnen in die Aussenbezirke von Belgrad umgesiedelt in "a temporary shelter", in Container - ohne Arbeitsmöglichkeiten, ohne Perspektive.

Diese Container wiederum stammen aus Essen in Deutschland. Nachdem die Zahl der Asylsuchenden merklich gesunken war und auch die meisten aus Serbien stammenden Roma nach langjährigem Kampf um ein Bleiberecht die Ruhrstadt 2003 verlassen mussten, also abgeschoben wurden, blieben die Flüchtlingscontainer leer und wurden in einer Good-Will-Aktion oder Kosten-Nutzen Rechnung der Stadt Essen nach Belgrad geschifft.

Auch im Kosovo fristen heute viele Roma ein Leben im Container, wie beispielsweise im Flüchtlingslager Osterode, nahe der Stadt Mitrovica. Als inländische Flüchtlinge oder nach ihrer Abschiebung aus westeuropäischen Ländern ist die Rückkehr zum früheren Wohnort oft unmöglich, das Haus zerstört oder in Besitz von der albanischen Mehrheitsbevölkerung.

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